Warum gerade große Gefühle uns etwas Wichtiges zeigen können

Manche Gefühle sind leise.

Und manche kommen mit voller Wucht.

Angst.
Wut.
Trauer.
Verzweiflung.

Gefühle, bei denen wir manchmal selbst erschrecken und denken: Das ist zu viel.

In der Podcastfolge „Alle Gefühle bewusst fühlen“(, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt und meiner Meinung nach großartig ist), von Laura Maria Seiler mit MiRA & das fliegende Haus habe ich einen Satz gehört, der bei mir hängen geblieben ist:

„Gefühle sind keine Gefahr.“

Dieser Satz von Mira hat mich sofort berührt. Zur Podcastfolge „Alle Gefühle bewusst fühlen“

Denn vielleicht haben wir nie gelernt, unsere großen Gefühle wirklich kennenzulernen. Vielleicht haben wir gelernt, sie zu kontrollieren, uns zusammenzureißen oder sie möglichst schnell wieder loszuwerden.

Dabei sind Gefühle nicht unser Gegner.

Vielleicht sind sie sogar großartige Helfer in unserem Leben.

Große Gefühle haben einen Grund beziehungsweise eine positive Absicht

Gewaltfreie Kommunikation lädt uns dazu ein, unsere Gefühle wahrzunehmen, ohne sie in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen.

Das bedeutet allerdings nicht, die Welt durch eine rosarote Brille zu betrachten. Und es bedeutet auch nicht, alles schönzureden.

Wenn ich traurig bin, bin ich traurig.

Wenn ich wütend bin, bin ich wütend.

Wenn ich Angst habe, darf ich Angst haben.

Ich muss mich nicht dafür verurteilen.

Gerade die Gefühle, die sich besonders groß anfühlen, können uns auf etwas aufmerksam machen.

Vielleicht fehlt gerade Sicherheit.

Vielleicht brauche ich Schutz, Nähe oder Orientierung.

Vielleicht wurde eine Grenze überschritten.

Vielleicht ist etwas passiert, das eine alte Erfahrung in mir berührt.

Das Gefühl macht nicht einfach nur Lärm. Es bringt eine Botschaft mit. Und meist wollen sie uns vor etwas beschützen.

Wenn die Sicherheit noch nicht da ist, kann es sein, dass ein Teil in uns noch nicht bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen.

Vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir nicht gegen uns arbeiten müssen.

Sondern zuhören dürfen.

Wenn wir uns selbst besser verstehen

Je besser ich meine Gefühle kennenlerne, desto besser lerne ich auch mich selbst kennen.

Und damit beginnt für mich Selbstverantwortung.

Nicht im Sinne von: Ich muss jetzt dafür sorgen, dass es mir sofort wieder gut geht.

Sondern im Sinne von:

Ich nehme mich selbst ernst. Ich schaue hin. Ich frage mich, was ich brauche.

Vielleicht entdecke ich dabei alte Wunden, Trigger oder innere Anteile, die sich in bestimmten Situationen besonders laut melden.

Nicht, weil mit mir etwas nicht stimmt.

Sondern weil etwas in mir Aufmerksamkeit braucht.

Vielleicht meldet sich ein Teil, der früher gelernt hat, besonders vorsichtig zu sein.

Vielleicht ein inneres Kind, das sich nach Sicherheit oder Zugehörigkeit sehnt.

Vielleicht einfach ein Bedürfnis, das im Alltag viel zu lange keinen Raum bekommen hat.

Selbstempathie bedeutet für mich deshalb nicht, mich möglichst schnell wieder „in Ordnung“ zu bringen.

Es bedeutet, mir selbst zuzuwenden.

Mit Interesse.

Mit Mitgefühl.

Und mit der Frage:

Was ist gerade in mir los – und was brauche ich?

Das ist für mich ein wichtiger Schritt in die Selbstverantwortung: Ich muss nicht darauf warten, dass jemand anderes meine Gefühle wegmacht. Ich kann lernen, mich selbst immer besser wahrzunehmen und für mich einzustehen.

Mehr als ein Gefühl kann gleichzeitig wahr sein

Vielleicht ist das eine der schönsten Erkenntnisse, die wir über uns selbst gewinnen können:

Es muss nicht immer nur ein Gefühl geben. Es darf eine Gleichzeitigkeit geben – ohne Abwertung, ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen.

Gleichzeitigkeit

Ich kann mich auf etwas freuen und gleichzeitig Angst davor haben.

Ich kann zuversichtlich sein und gleichzeitig traurig.

Ich kann einen Menschen lieben und trotzdem wütend auf ihn sein.

Ich kann glücklich sein und einen Verlust spüren.

Nichts davon macht das andere Gefühl weniger wahr.

Wir sind keine Entweder-oder-Wesen.

In uns darf vieles gleichzeitig lebendig sein.

Und vielleicht müssen wir gar nicht entscheiden, welches Gefühl jetzt „richtig“ ist.

Vielleicht dürfen wir einfach wahrnehmen:

Da ist gerade beides. Es sind verschiedene Anteile in uns, die gesehen werden wollen und Berechtigung haben.

Gefühle müssen deshalb nicht kleiner werden, damit wir mit ihnen sein können.

Vielleicht dürfen wir ihnen zuhören.

Denn manchmal zeigen sie uns genau das, was gerade noch fehlt.

Und manchmal sind sie nicht das Hindernis auf unserem Weg.

Sondern die liebevollen Wegweiser, die uns daran erinnern, gut für uns zu sorgen.

Mehr zur Haltung der Gewaltfreien Kommunikation findest du beim Center for Nonviolent Communication.
👉 https://www.cnvc.org

Mit Herz,
Melanie Lockenvitz – Räume für Wandel
Coachin mit Gewaltfreier Kommunikation & LilaLiebe®-Beraterin nach Kathy Weber | Pädagogin | Fachkraft für Integration | Dreifach-Mutter im Patchwork


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