Sie möchte einmal sagen: Ich habe wirklich gelebt.
Manchmal verbringen wir Jahre damit, zurückzuschauen.
Auf unsere Kindheit.
Auf Erfahrungen, die uns geprägt haben.
Auf Verletzungen, auf alte Geschichten, auf die vielen Stimmen in uns.
Und das ist wichtig.
Zu verstehen, warum wir fühlen, wie wir fühlen.
Warum uns manche Situationen so tief berühren.
Warum wir manchmal funktionieren, obwohl wir uns eigentlich nach Ruhe, Nähe oder Lebendigkeit sehnen.
Doch irgendwann entsteht vielleicht eine neue Frage: Wie möchte ich eigentlich einmal auf mein Leben zurückblicken?
Vielleicht sitzt irgendwo in deiner Zukunft bereits eine ältere, weise Version von dir. Dein zukünftiges Ich. Deine innere Oma.
Und vielleicht schaut sie mit ganz anderen Augen auf dich.

Die innere Oma urteilt nicht
Während unser innerer Kritiker oft streng ist, leistungsorientiert und nie ganz zufrieden, wirkt die innere Oma anders.
Sie schaut weicher auf das Leben.
Menschlicher.
Milder.
Sie fragt nicht:
„Warum bist du noch nicht weiter?“
Oder:
„Warum schaffst du das nicht besser?“
Vielleicht fragt sie eher:
„Geht es dir gut?“
„Spürst du dich noch?“
„Lebst du eigentlich das Leben, das du leben möchtest?“
Und plötzlich werden andere Dinge wichtig.
Nicht Perfektion.
Nicht höher, schneller, weiter.
Sondern echte Momente.
Verbindung.
Lachen.
Ruhe.
Zeit.
Nähe.
Was würde deine innere Oma über dich erzählen?
Dieser Perspektivwechsel berührt mich sehr.
Denn wenn ich mich frage, worauf ich mit 80 Jahren einmal zurückschauen möchte, dann denke ich nicht zuerst an To-do-Listen oder daran, wie perfekt ich alles geschafft habe.
Ich denke eher daran:
- ob ich mich lebendig gefühlt habe
- ob ich wirklich geliebt habe
- ob ich mutig genug war, ich selbst zu sein
- ob ich wirklich da war in meinem Leben
- an das Lachen meiner Kinder
Und genau darin steckt für mich auch so viel Gewaltfreie Kommunikation.
Denn GFK bedeutet nicht nur, Konflikte „richtig“ zu lösen.
Es geht darum, mitfühlend mit sich selbst zu sein.
Die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Sich selbst wahrzunehmen.
Und aufzuhören, nur zu funktionieren.
Vergangenheit verstehen – und trotzdem nach vorne schauen

Viele von uns beschäftigen sich intensiv mit ihrem inneren Kind.
Mit Prägungen. Mit alten Verletzungen. Und das kann unglaublich heilsam sein.
Zu verstehen: Warum reagiere ich so?
Warum fällt mir manches so schwer?
Woher kenne ich dieses Gefühl?
Doch irgendwann darf vielleicht noch etwas dazukommen: Wer möchte ich sein? Wie möchte ich leben? Welche Geschichte möchte ich über mich erzählen?
Denn wir sind nicht nur unsere Vergangenheit. Wir sind auch Gestalterinnen unseres Lebens.
Die innere Oma erinnert dich an das Wesentliche
Vielleicht würde deine innere Oma heute sagen:
Mach langsamer.
Atme mehr.
Nimm den Menschen, den du liebst, nochmal bewusst in den Arm.
Geh raus in die Natur.
Lache öfter.
Sag ehrlicher, was du fühlst.
Und vor allem: Warte nicht auf später, um wirklich zu leben.
Denn so vieles von dem, wonach wir uns sehnen, liegt oft mitten im Alltag verborgen.
In kleinen Momenten.
In echter Verbindung.
Im Hier und Jetzt.
Doch wenn wir nur funktionieren, verlieren wir oft genau das aus dem Blick.
Mehr über Verbindung findest du im Artikel „Zuhören wie Momo“:
🔗 https://raeumefuerwandel.com/empathisches-zuhoeren-gfk/
Verantwortung bedeutet auch, dein Leben bewusst zu gestalten
Für mich hat das viel mit Selbstverantwortung zu tun.
Nicht mit Schuld.
Nicht mit Selbstoptimierung.
Sondern mit der Frage: Wie möchte ich mit mir selbst umgehen?
Die Gewaltfreie Kommunikation lädt uns genau dazu ein:
- unsere Gefühle ernst zu nehmen
- unsere Bedürfnisse wahrzunehmen
- bewusst Entscheidungen zu treffen
- und liebevoller mit uns selbst zu werden
- im Moment zu sein
Vielleicht beginnt Veränderung manchmal nicht damit, noch mehr an uns zu arbeiten.
Sondern damit, anders auf uns zu schauen.
Mit mehr Mitgefühl.
Mehr Milde.
Und mehr Vertrauen.
Vielleicht beginnt genau heute etwas Neues
Vielleicht sitzt deine innere Oma nicht irgendwann in ferner Zukunft.
Vielleicht begleitet sie dich schon heute.
Leise.
Weise.
Mit einem Blick, der dich nicht kleiner macht, sondern größer.
Und vielleicht erinnert sie dich daran, dass dein Leben nicht erst irgendwann beginnt.
Sondern jetzt.
Mit diesem Atemzug.
Diesem Moment.
Diesem einen kleinen Schritt zurück zu dir selbst.
Denn ich habe die Wahl, eine Geschichte zu schreiben, die mich groß macht und nicht klein.
Inspiriert wurden meine Gedanken unter anderem durch eine Podcast-Folge von Melanie Wolfers aus „Ganz schön mutig“, in der sie mit der Schriftstellerin Ildikó von Kürthy über innere Entwicklung, Herkunft und Zukunftsfragen spricht.
👉 Podcast „Ganz schön mutig“ von Melanie Wolfers
https://www.melaniewolfers.de/podcast
Mit Herz,
Melanie Lockenvitz – Räume für Wandel
Coachin für Gewaltfreie Kommunikation & LilaLiebe®-Beraterin nach Kathy Weber | Pädagogin | Fachkraft für Integration | Dreifach-Mutter im Patchwork
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